In der niederrheinischen Provinz

Viersen ist eine kleine Stadt – irgendwo zwischen Krefeld, Mönchengladbach und Venlo. Mit ihren 76.000 Einwohnern ist sie immerhin auch Sitz des Kreises Viersen. Und Viersen ist die sauberste Stadt Deutschlands. Die ehemalige Bügermeisterin Hammes erschien mit dem Besen in der Hand auf Plakaten. Darauf konnte man lesen: „Viersen bleibt sauber.“ So wurde die Bürgermeisterin für kurze Zeit bundesweit berühmt.

Weniger gesprochen wurde darüber, dass die Stadt im letzten Jahr nicht in der Lage war, 5.000 Euro bereitzustellen. Damit wären reichlich Landesmittel geflossen für das Programm „Mittagessen für alle Schüler“. Am Tag der Ablehnung wurden allerdings wesentliche größere Beträge freigegeben, damit der Bürgermeister seinen Jahres-Empfang standesgemäß begehen konnte. (Das 5.000-Euro-Problem wurde kurz darauf durch eine anonyme Spende erledigt.)

Viersen legt sich gerade eine völlig überflüssige Shopping-Mall zu. Und gefährdet damit den regionalen Handel massiv. Aber man ist halt modern. Und deshalb wollen die Stadt-Oberen jetzt noch einmal tief in die Bürger-Tasche greifen: Ein neuer Name und ein neues Logo sollen her für die Stadt: „Kreisstadt Viersen“ will man sich demnächst großspurig nennen. Ein Name dessen provinzieller Klang etwas Ehrliches transportiert.

Trotzdem: Das ist teurer Unfug. So eine Umbenennung kostet einen größeren 6-stelligen Betrag. Damit könnte man die Stadt an anderer Stelle attraktiver machen. (Kindergärten, Jugendheime, Bürgertreffs, öffentliche Toiletten etc.)

Da fragt man sich, was so ein Stadtpolitiker den ganzen Tag macht. Zumal, wenn seine Stadt so klein und unbedeutend ist wie Viersen. Denn Frühstücks-Kaffee, Baustelle Shopping-Mall besichtigen und ausgiebiges Nasepopeln, dann ist erst 10 Uhr. "Ja, dann kann ich doch mal die Stadt fegen oder umbenennen. Und mich dabei fotografieren lassen, dann hat die Lokalzeitung auch was zu berichten."

Übrigens: Auch das Vorgehen der Provinzler hat provinzielles Niveau. Unter www.kreisstadt-viersen.de findet sich der Aufruf bei einem Bürgerbegehren gegen diesen Namen und diese Aktion zu unterschreiben.